Die vielen Facetten des Burn-out-Syndroms

Spätestens seit dem freiwilligen Rücktritt von Ralf Rangnick, als Trainer von Schalke 04, ist das Burn-out-Syndrom wieder in aller Munde. Burn-out ist eine körperliche und emotionale Erschöpfung aufgrund dauernder Anspannung, ständiger sozialer Begegnungen und täglichen Stresses. Viele Symptome des Burn-out-Syndroms sind im folgenden zusammengefasst und können aber auch durch internistische Erkrankungen bedingt sein:

  • Schlafstörungen, Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Chronische Müdigkeit
  • Fehlendes Entspannungserleben
  • Erholungsfähigkeit ist beeinträchtigt
  • Kreisende Gedanken
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Tinnitus
  • Chronische Schmerzen
  • Infekthäufigkeit
  • Gefäßerkrankungen
  • Erhöhtes Diabetesrisiko
  • Erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie und Herzinfarkt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stresshormonungleichgewicht, Cortisonmangel
  • Konzentrationsstörungen
  • Dauerhafter Alarmzustand
  • Libidoverlust, Zyklusstörungen, Kinderlosigkeit
  • Suchtgefahr
  • Antriebsstörungen
  • Schwächegefühl
  • Aussichtslosigkeit
  • Depression
  • Schilddrüsenhormonunterfunktion
  • Nebennieren – Insuffizienz

Bei Erkrankten mit Burn-out-Syndrom ist es von daher wichtig, eine Ursachenforschung zu betreiben und diese sekundären, meist internistischen Erkrankungen, auszuschließen. Es gibt verschiedene Stadien der Erkrankung, die erkannt werden müssen, um frühzeitig therapeutisch aktiv zu werden. Je früher die Therapie, desto besser die Heilungschancen

Ein Patient, der kürzlich in unserer Hormon- & Stoffwechsel-Zentrum kam, arbeitet als Führungsposition in einem leistungsorientierten Unternehmen und ist für die Neukundenacquise zuständig. Er hat für sich und seine Familie gerade ein Haus gebaut. Die Kinder sind in der Pubertät, die Frau arbeitet halbtags, in der Familie wird auch noch die demenzerkrankte Schwiegermutter versorgt. Der Pat. hat in den letzten Jahren unmerklich an Gewicht zugenommen, nachdem er seine gewohnten 80 km Radfahren pro Woche zeitlich nicht mehr unterbringen konnte. Unmerklich war seine Leistungsfähigkeit schlechter geworden, er konnte sich nicht mehr gut konzentrieren, er wacht morgens auf und ist wie gerädert. Seine Frau berichtet, dass er neuerdings schnarchen würde. Die Libido hat in letzter Zeit abgenommen, die von urologischer Seite verordneten Medikamente halfen dem Patienten nicht. Er nimmt Metoprolol und Ramipril gegen seinen neuerdings aufgetretenen, erhöhten Blutdruck. Wegen all dieser unterschiedlichen Symptome wird der Pat. ins MED Facharztzentrum überwiesen.

Hier kurz zusammengefasst die diagnostischen Schritte der einzelnen Facharztgruppen:

Pulmonologie:

In erster Linie denkt man an das Vorliegen eines Schlafapnoe-Syndroms. Hierzu passt auch die Angabe der Ehefrau, dass sie das Gefühl hat, dass ihr Mann nachts Atempausen habe. Der Patient geht ins Schlaflabor und wird dann mit einer nächtlichen Sauerstoffmaske versorgt, häufig haben die Patienten Linderung bezüglich des morgendlichen „Gerädertseins“.

Angiologie:

Hier werden der Blutfluss in den Hirnarterien und den gehirnversorgenden Halsschlagadern gemessen. Wenn hier größere Einengungen vorhanden sind, kann dies operativ behoben werden, anderenfalls werden blutverdünnende Medikamente zur Optimierung der Blutzufuhr des Gehirns gegeben.

Kardiologie:

Häufig kann ein sog. „stiller“ Herzinfarkt bes. bei zuckerkranken Menschen zu einer erheblichen Einschränkung der Herzleitung führen, dies macht sich dann als Leitungseinschränkung bemerkbar. Umgekehrt könne Burn-out-Pat. mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Stress, Rauchen, Fettsucht etc.) häufiger einen frühen Herztod erleiden.

Gastroenterologie:

Häufig stellt sich ein sog. Reizdarmsyndrom ein. Es findet sich in den Magen-oder Darmspiegelungen häufig eher kein krankhaften Befund.

Rheumatologie:

Der sogenannten Weichteilrheumatismus, gelegentlich das Fibromyalgie-Syndrom oder chronische Schmerzen, können die Ausdruck eines Burn-out-Syndroms sein. Nach klinischem und laborchemischem Ausschluss einer chronisch entzündlichen Gelenkserkrankung werden die typischen Trägerpunkte beim Fibromyalgie-Syndrom untersucht. Handelt es sich um ein sogenanntes, sekundäres Schmerzsyndrom, wird eine medikamentöse Schmerztherapie eingeleitet.

Orthopädie:

Nach orthopädischer, gegebenenfalls radiologischer Diagnostik kann eine Infiltrationstherapie (Gelenkinjektionen) die Schmerzpunkte lindern, physiotherapeutische Maßnahmen beinhalten insbesondere auch die sehr wichtigen, entspannungstherapeutischen Maßnahmen, die in unserer spezialisierten Physiotherapie-Praxis durchgeführt werden.

Hämato-Onkologie:

Der Ausgleich eines Eisenmangels führt häufig zu einer Befindlichkeitsverbesserung. Natürlich gehört die normale Krebsvorsorge zur Differentialdiagnostik eines Leistungsabfalls dazu.

Stoffwechsel:

Die Verstärkung des Bauchfettes beim alternden Mann ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Schlecht eingestellte Diabetiker sind häufig müde, abgeschlagen und entwickeln überdurchschnittlich häufig Depressionen.

Schilddrüse:

Die manifeste Unterfunktion der Schilddrüse kann ähnliche Symptome hervorrufen wie das chronische Müdigkeits-Syndrom bzw. ein Burn-out-Syndrom. Durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen sind diese Symptome aber dann komplett zu beheben. Häufig führt aber das Hamsterrad, aus dem der Patient nicht mehr heraus kommt, zu einer schmerzlosen (autoimmunbedingten) Schilddrüsenentzündung (Hashimoto). Man wird bei ihm ein leicht erhöhtes TSH im Blut messen, dies erklärt aber sicherlich nicht das Vollbild der Erkrankung, sondern kann auch sekundär bedingt sein und sich nach Behandlung des Burn-out-Syndroms wieder zurückbilden. Eine Schilddrüsenhormontherapie ist hier nur begleitend erforderlich.

Nebenniere:

Patienten mit Burn-out-Syndrom oder auch Patienten mit endogener Depression haben eine gestörte Regulation zwischen Hirnanhangsdrüse und Nebenniere. Dies stellen wir im sogenannten CRH-Test (Blutuntersuchung mit mehreren Blutabnahmen nach entsprechender Injektion eines anregenden körpereigenen Hormons) fest. Eine niedrig dosierte Cortison-Ersatztherapie kann begleitend solchen Patienten helfen. Schwerkranke Patienten regulieren ihr Fortpflanzungssystem herunter. In Krisenzeiten verlieren Frauen ihre Periode, Männer haben Erektionsprobleme. Bei dem Patienten ist das Testosteron im Blut sicherlich niedrig, eine begleitende Testosterontherapie kann in ihm gute Unterstützung bei den therapeutischen Bemühungen seiner Beschwerden leisten.

Weitere Therapieansätze:

Der Patient benötigt also eine komplexe, therapeutische Intervention sowohl durch den Hausarzt, gegebenenfalls der Fachärzte und evt. einem Psychologen. Die Verhaltenstherapie ist für Patienten mit schwerem Burn-out-Syndrom die schlussendlich einzige Hilfe. Der Patient muss lernen kürzer zu treten, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Er muss lernen auch einmal nein sagen zu können und sich wieder mehr Zeit für seine Hobbys und sportlichen Aktivitäten gönnen. Eine sogenannte „Auszeit“ hilft hier das Leben neu zu sortieren.

Therapeutische Strategien beim Burn-out-Syndrom

  • Bessere Haushaltung mit den eigenen Kräften.
  • „Antistressrituale“ erlernen und regelmäßig in den Alltag einbauen.
  • Lernen Sie „NEIN“ zu sagen.
  • Nehmen Sie sich mehr Zeit für Sport und Hobbys.
  • Überprüfen Sie Ihren Tagesrhythmus – sind Sie ein Morgen- oder ein Nachtmensch? Passen Sie Ihren Arbeitsalltag an.
  • Verlagern Sie berufliche Probleme nicht in Ihr Privatleben.
  • Arbeiten Sie, wenn möglich, nicht am Wochenende.
  • Nehmen Sie sich, wenn nötig, eine „ Auszeit“.
  • Erkennen Sie, dass wir auch wertvoll sind, wenn wir an unsere Grenzen geraten sind.
  • Nehmen Sie die Erkrankung als Chance für eine neue Weichenstellung zur Gestaltung ihres Lebens.
  • Verändern Sie ihre innere Einstellung:
    • Dankbarkeit,
    • Zufriedenheit,
    • Abgrenzung,
    • Bescheidenheit
    • spirituelle Verankerung (Glauben).