Osteoporose betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Das Lebenszeitrisiko, ab dem 50. Lebensjahr einen osteoporotischen Knochenbruch zu erleiden, liegt in Europa bei Frauen bei rund 33 Prozent und bei Männern bei rund 20 Prozent. Und dennoch wird Osteoporose häufig viel zu spät erkannt – nach Angaben des Dachverbands Osteologie bleiben in Deutschland mehr als 70 Prozent der Fälle undiagnostiziert und unbehandelt, selbst wenn bereits Frakturen aufgetreten sind.
Welche Folgen der schleichende Verlust an Knochensubstanz haben kann und welche Möglichkeiten es heute gibt, Osteoporose zu erkennen und zu behandeln, war Thema eines Beitrags des SWR im September 2026.
Der SWR begleitete dafür eine Patientin des renommierten Spezialisten Prof. Dr. Dr. Wüster vom Stoffwechselzentrum Mainz. Die 76-jährige Edith Leverick aus Mainz lebt seit rund 20 Jahren mit Osteoporose. Seit mehr als zehn Jahren wird sie von Prof. Dr. Dr. Wüster behandelt. Alle sechs Monate kommt sie zur Kontrolle in seine Praxis.
Heute geht es ihr gut. Sie hat keine Beschwerden, treibt Sport und bewegt sich täglich. Das war nicht immer selbstverständlich: Nach einem Sturz im Schwimmbad und einem Bruch ihres Armes wurde bei ihr die Osteoporose diagnostiziert. Zu Beginn ihrer Behandlung war ihre Knochendichte deutlich vermindert.
Bei Osteoporose nimmt die Knochendichte ab. Die Knochen verlieren an Stabilität, werden poröser und können leichter brechen. Besonders häufig betroffen sind Frauen nach der Menopause. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch bei Männern das Erkrankungsrisiko.
Der Verlust an Knochensubstanz verursacht zunächst häufig keine eindeutigen Beschwerden.
Im SWR-Beitrag erklärt Prof. Dr. Dr. Wüster: „Wenn die Patienten kleiner werden, und zwar mehr als einen Zentimeter pro Dekade, dann ist die Gefahr da, dass eben Wirbel eingebrochen sind, insbesondere wenn Rückenschmerzen auch noch bestehen. Das wäre ein klinisches Zeichen für eine Wirbelsäulenosteoporose.“
Bei der Patientin Edith Leverick wird die Knochendichte nun regelmäßig kontrolliert – standardmäßig an der Wirbelsäule und an beiden Schenkelhälsen. Damit lassen sich unterschiedliche Knochenstrukturen beurteilen.
„Bei der Wirbelsäule messen wir mehr den netzartigen Knochen und beim Schenkelhals den Röhrenknochen. Das ist der Knochen, der im Alter das Problem macht und bei der Altersosteoporose als Erstes weniger wird. Das heißt, die Röhrenknochen werden nicht nur dünner, sondern werden poröser.“ Erklärt Prof. Dr. Dr. Wüster.
Gerade Veränderungen am Schenkelhals können im höheren Alter gravierende Folgen haben. Ein Schenkelhalsbruch tritt zwar seltener auf als ein Wirbelbruch, kann aber Mobilität und Selbstständigkeit dauerhaft beeinträchtigen.
Prof. Dr. Dr. Wüster macht die Tragweite im SWR-Beitrag deutlich: „50 Prozent der Menschen mit Schenkelhalsfrakturen landen im Pflegeheim oder kommen nicht mehr in die alte Lebenssituation zurück, in der sie waren.“
Das Beispiel von Edith Leverick zeigt zugleich, dass sich eine Osteoporose behandeln lässt. Zu Beginn der Therapie war ihre Knochendichte sehr gering. Durch die mehrjährige Behandlung hat sie sich inzwischen wieder verbessert.
Mit einem DXA-Gerät, das mit zwei unterschiedlich starken Röntgenstrahlen arbeitet und wie eine große Untersuchungsliege aussieht, wird der Ist-Zustand der Knochen überprüft.
Die Patientin erhält zweimal im Jahr eine Injektion mit einem Medikament, das die knochenabbauenden Zellen hemmt. Welche medikamentöse Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und dem persönlichen Risiko für Knochenbrüche ab.
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch Ernährung, eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen und vor allem regelmäßige körperliche Aktivität eine Rolle.
Bewegung bleibt wichtig.
Edith Leverick weiß heute, dass sie auf ihre Knochen achten muss. Das bedeutet für sie aber keineswegs, sich körperlich zu schonen. Sie treibt weiterhin Sport und bewegt sich täglich.
Gerade im höheren Alter ist Bewegung wichtig: Sie stärkt Muskulatur und Koordination und kann dazu beitragen, Stürze zu vermeiden. Denn bei Osteoporose geht es nicht allein darum, die Knochendichte zu verbessern. Ebenso wichtig ist es, Knochenbrüche möglichst zu verhindern.
Osteoporose frühzeitig erkennen und behandeln
Der aktuelle SWR-Beitrag macht an einem konkreten Beispiel deutlich, warum eine frühzeitige Diagnose so wichtig ist.
Wer deutlich an Körpergröße verliert, unter anhaltenden Rückenschmerzen leidet, bereits einen Knochenbruch ohne größere Gewalteinwirkung erlitten hat oder aufgrund von Alter und Vorerkrankungen ein erhöhtes Osteoporoserisiko besitzt, sollte dieses ärztlich abklären lassen.
Bildquelle: SWR, Marktcheck: Sendung vom 22. September 2026
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